Ländlejob Blog | Schwanger? Das müssen Sie jetzt unbedingt wissen!
15489
post-template-default,single,single-post,postid-15489,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-theme-ver-13.3,qode-theme-bridge,disabled_footer_top,wpb-js-composer js-comp-ver-5.4.5,vc_responsive

Schwanger? Das müssen Sie jetzt unbedingt wissen!

Sie sind schwanger – herzlichen Glückwunsch. Jetzt wartet eine aufregende Zeit auf Sie – auch arbeitsrechtlich. Sie suchen nach einem Überblick Ihrer Rechte, Pflichten und Möglichkeiten? Hier finden Sie kurz zusammengefasst die wichtigsten Informationen.

#1 Meldepflicht und Kündigungsschutz

Sobald die Schwangerschaft ärztlich bestätigt ist, besteht eine Meldepflicht. Das heißt, Sie müssen Ihrem Arbeitgeber die Schwangerschaft, sowie den errechneten Geburtstermin mitteilen. Sollten Sie sich jedoch in der Probezeit befinden, sind Sie nicht dazu verpflichtet. Den exakten Zeitpunkt der Mitteilung Ihrer Schwangerschaft bestimmen Sie also selbst!

Vorteil: Rechtlich ist nun ein Kündigungsschutz vorgesehen – außer in Sonderfällen, wie zum Beispiel bei Arbeiterinnen und Angestellte in der Probezeit, Ferialpraktikantinnen und Saisonsarbeiterinnen. Der Kündigungsschutz endet 4 Monate nach der Geburt oder 4 Wochen nach Beendigung der Karenz.

TIPP: Wurden Sie gekündigt, wird diese unwirksam, wenn Sie den Arbeitgeber 5 Tage nach der Entlassung über die Schwangerschaft informieren. Fordern Sie dazu vom Arzt eine Bestätigung der Schwangerschaft an. Sollten Sie von der Schwangerschaft erst zu einem späteren Zeitpunkt von Ihrem Arzt erfahren haben, ist die Kündigung ebenfalls ungültig, wenn Sie sofort Ihrem (ehemaligen) Arbeitgeber eine ärztliche Bestätigung vorlegen. Am besten schriftlich und per Einschreiben.

#2 Beschäftigungsverbot

Tätigkeiten, die Mutter und ungeborenes Baby gefährden, dürfen nicht mehr ausgeführt werden. Zum Beispiel das Heben schwerer Lasten oder der Umgang mit gefährlichen Stoffen. Auch Nachtarbeit darf Ihnen nicht zugemutet werden: von 20 Uhr (in Ausnahmen 22 Uhr) bis 6 Uhr dürfen Sie nicht beschäftigt werden.

Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet eine Ersatz-Tätigkeit für Sie zu finden, sollten Sie bis jetzt für Schwangere unzumutbare Tätigkeiten ausgeführt haben. Verboten sind nun:

  • Das Heben und Tragen von schweren Gegenständen
  • Das Verrichten von Arbeiten in Räumen, in denen geraucht wird (das gilt auch für Gastronomiebetriebe)
  • Akkordarbeit, Fließbandarbeit (ab der 20. Schwangerschaftswoche verboten)
  • Erledigen von Arbeiten unter extremen klimatischen Bedingungen (Hitze, Kälte, Nässe)
  • Absolvieren von Aufgaben, die ein erhöhtes Unfall- und Gesundheitsrisiko bergen
  • Verrichtung von Arbeiten, bei denen giftige Gase, Strahlen oder andere Stoffe abgesondert werden
  • Stehende Tätigkeiten (verboten ab der 20. Schwangerschaftswoche) und Tätigkeiten bei denen die Frau permanent sitzen muss (sofern es keine Möglichkeit gibt, regelmäßig aufzustehen)

 

TIPP: Keine Angst, sollte Ihr Arbeitgeber keine Ersatzarbeit für Sie finden, kommt es bei weiterer Lohnzahlung zu einer vollkommenen oder teilweisen Einstellung der Arbeit.

#3 Mutterschutz und Wochengeld

Ein absolutes Beschäftigungsverbot stellt der Mutterschutz dar – 8 Wochen vor, sowie 8 Wochen nach der Geburt (bei Kaiserschnitt, Mehrlings- und Frühgeburten sogar 12 Wochen nach der Geburt) ist es Ihnen verboten, zu arbeiten. In dieser Zeit wird ein Wochengeld von der Krankenkasse ausbezahlt, der Lohn entfällt.

TIPP: Ab Beginn der achten Woche vor dem voraussichtlichen Geburtstermin kann das Wochengeld beim Krankenversicherungsträger (z.B. Gebietskrankenkasse) beantragt werden. Dazu sind verschiedene Unterlagen notwendig.

#4 Elternkarenz und Kinderbetreuungsgeld

Nach dem Ende der Mutterschutzfrist (meist 8 Wochen nach der Geburt) beginnt die Karenz, welche maximal zweimal zwischen den Eltern geteilt werden kann – z.B. Wechsel zwischen Mutter – Vater – Mutter. Mindestens 2 Monate muss ein Karenzteil dauern. Die arbeitsrechtliche Karenzdauer (inkl. Kündigungsschutz) erstreckt sich übrigens bis zum vollendeten 2. Lebensjahrs des Kindes. Längere Abwesenheit vom Arbeitsplatz muss mit dem Arbeitgeber schriftlich vereinbart werden.

Achtung: Die Karenz muss dem Arbeitgeber mindestens 3 Monate vor Antritt schriftlich bekanntgegeben werden. Melden Sie die Karenz jedoch nicht früher als vier Monate vor dem Beginn, da der Kündigungs- und Entlassungsschutz frühestens mit diesem Zeitpunkt beginnt.

Hinweis: Während der Karenzzeit erhalten Sie keinen Lohn, jedoch Kinderbetreuungsgeld, das Sie beim selben Krankenkassenträger beantragen müssen, bei welchem Sie auch das Wochengeld beantragt haben. Seit 1.3.2017 stehen 2 verschiedene Kinderbetreuungsgeld-Varianten mit jeweils weiteren Wahlmöglichkeiten zur Verfügung.

Wichtig: Die Kinderbetreuungsgeld-Zahlungen sind jedoch an Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen gekoppelt. Sprich: 5 Untersuchungen während der Schwangerschaft und 5 Untersuchungen des Kindes müssen nachgewiesen werden damit Ihr „Einkommen“ gesichert ist!